Am Anfang war Tohuwabohu

März 15, 2008 by gaukel

Tohuwabohu (hebr. תהו־ובהו, tohu-va-vohu, “wüst und leer”) bezeichnet ein großes Durcheinander, einen Wirrwarr. Der hebräische Begriff ist dem 1. Buch Mose 1,2 entnommen und bedeutet nach Luther „wüst und leer“. Dabei bezeichnet tohu die Wüstheit, wa bedeutet „und“ und bohu ist die Leere. Die Bibel beginnt mit dem Satz „Bereshith bara elohim et hashamajim v’et ha’arez, v’ha’arez hajtah tohu vavohu …“ (Genesis 1,2). Tohuwabohu beschreibt also die größtmögliche Unordnung, die der ordnenden Hand eines Gottes bedarf.

Andere Übersetzungen (zum Beispiel Die Schrift von Buber und Rosenzweig) sprechen von „Irrsal und Wirrsal“. tohu drückt demnach „geistliche Leere“ (also eine Art Führungslosigkeit) – bohu dagegen bedeute „geistige Leere“ (also Mangel an denkenden Wesen).

Heute wird der Begriff Tohuwabohu umgangssprachlich für ein großes Durcheinander verwendet. (1)

Linde Peters - Stochastisches Bild

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Inflationäres Universum

Alan Guth, der Entdecker der “Theorie des inflationären Universums”, stellt die Hypothese auf, daß der Raum in den ersten Momenten des Urknalls von einem sogenannten falschen Vakuum erfüllt war – einem bizarren und eigentlich nur als mathematisches Gebilde der Quantenphysik verständlichen Zustand.

Drei Eigenschaften machen das falsche Vakuum für Kosmologen interessant: Erstens war es äußerst energiereich. Zweitens war es instabil und mußte nach kurzer Zeit in das “echte Vakuum” unserer heutigen physikalischen Realität zerfallen. Seine Energie setzte sich dabei in Form von Teilchen frei – darunter die Materie, die das Universum heute erfüllt. Und drittens hat falsches Vakuum die Eigenschaft, den Raum aufzublähen, und zwar sehr viel schneller, als das Universum heute expandiert. Solange also das falsche Vakuum noch nicht restlos zerfallen war, blies sich das Universum explosionsartig auf – es durchlief eine “inflationäre” Phase.

Diese Idee beseitigte mit einem Schlag das Problem der “Anfangsbedingungen”, die man zusätzlich zum Urknallmodell brauchte, um das beobachtete Universum korrekt zu beschreiben.

“Der Reiz der Inflationstheorie – daß sie nämlich Vorhersagen unabhängig von den Einzelheiten der Anfangsbedingungen ermöglicht – wird damit für den Kosmologen zur absoluten Schranke der Erkenntnis.” Allerdings stellte sich heraus, daß man die Inflationstheorie modifizieren muß, um neueren Beobachtungen gerecht zu werden. Gegenwärtig sind rund fünfzig verschiedene Inflationstheorien im Umlauf. Trotzdem glauben die meisten Kosmologen, daß die Grundidee richtig ist. (2)

Paralleluniversen

Kosmologische Theorien werfen oft als Nebenprodukt die Idee der Paralleluniversen ab. Daraus folgt die unbequeme Frage: Ist unser Universum etwa nur eines von vielen? Und: Wie soll man je ein anderes Universum finden? Astronomen glauben, dass die Stringtheorie Antworten liefern kann. (3) Mehr…

Es gibt weder Menschen, Pflanzen noch Tiere, nicht Sonne oder Mond, Luft oder Wasser, Tag und Nacht. Nur Mawu, der in seinem Tiefen Schlaf durch die Leere treibt und von den Dingen träumt, die einmal sein würden. Die Zeit beginnt als Mawu den Traum zu Ende träumt und erwacht.

Er nimmt die Leere und rollt sie zwischen seinen Handflächen zu einer Schlange, welche durch seinen Atem Farbe und Leben erhält. So wird die Leere zur Regenbogenschlange, die Mawu hilft die Welt zu erschaffen. Sie erschaffen unbewegtes Meer und flaches Land in die Stille der Welt. Sie ziehen beide über die Welt, Mawu erschafft Berge, gefüllt mit Gold und Edelsteinen, die Regenbogenschlange sorgt für Gräben, in denen Flüsse und Bäche entstehen.

Nachdem Mawu vor Freude zu viele Wälder und Tiere erschaffen hat, droht das Land im Meer zu versinken, sodass er die Schlange bittet, das Land hoch zu halten. Auf seine Bitte hin windet sich die Regenbogenschlange dreitausendmal spiralförmig um die Erde, die sie bis zum heutigen Tage auf diese Weise hält. Die Spiralen umkreisen die Erde und bewegen die Planeten und Sterne über den Nachthimmel, scheint Sonne durch Regen schimmert eine ihrer Spiralen als Regenbogen und als Blitz erscheint ein Aufleuchten der Schuppen.

Bewegt sich die Schlange, erschüttert ein Beben die Erde, und sollte sie jemals ihre Spiralen wieder lösen würde die Welt auseinanderfallen. (4)


(1) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tohuwabohu
(2) Quelle: Die Zeit, 05.08.1999
(3) Quelle: Spiegel-Online. 29.02.2008
(4) Schöpfungsmythos in Benin und Togo, Afrika.
Quelle: http://www.philognosie.net

Hinter den Zeilen

März 11, 2008 by gaukel

Im Anfang war das Vergessen, so heißt es in vielen abend- und morgenländischen Schöpfungsmythen über die Menschwerdung. In der jüdischen Überlieferung schlägt der Engel des Vergessens dem neugeborenen auf den Mund, damit er sein ursprüngliches Wissen über die Dinge vergesse…

Die Aufgabe “hinter den Zeilen zu lesen”, um die Situation des Schreibenden zu erschließen, ist eine Aufgabe, die regelmäßig bei der Interpretation von geschriebenen Äußerungen sich stellt. Aber selbst dann, wenn diese vorläufige Aufgabe zufrieden stellend gelöst worden ist und es klar ist, was der Schreibende versucht zu tun und inwieweit er dafür qualifiziert ist, bleibt normalerweise noch eine weitere Aufgabe übrig, nämlich das “zwischen den Zeilen lesen”, was er schreibt (und sagen will). Es wäre sicher kurzsichtig, das, “was gesagt wird”, als vollständig durch die vom Schreibenden verwendeten Wörter ausgedrückt zu betrachten…

Und doch muß jeder, der sich ernsthaft auf dieses Leseabenteuer einlassen will, hindurch nicht nur durch fertige autorisierte Texte -, sondern muß über Vorentwürfe und Entwürfe, Vorstufen, Zwischenstufen, Vorendstufen aufsteigen, um dann immer wieder – ja, abzustürzen ins Nichts. Weil alles Angefangene, Probierte, Korrigierte immer wieder unfortgesetzt und unvollendet Fragment bleibt…

“Es war Mord”, sagt der umkämpfte, umrätselte letzte Satz (…)

“O Gott…wie hängt das alles zusammen? Denken. Wollen. Sein.” (1)

schöpfung

Plus und Minus sollten nicht verwechselt werden!

mehr…


(1) Gott oder Göttin?
Der Zürcher Theologieprofessor Konrad Schmid hat die im Alten Testament geprägte Vorstellung eines männlich-väterlichen Gottes in Frage gestellt. Beziehe man neben der Bibel archäologische Quellen, wie Götterfiguren, Inschriften, Amulette oder Siegel mit ein, ergebe sich ein Gottesbild, welches starke weibliche Elemente aufweist, erklärte der evangelische Theologe in der Hamburger Wochenzeitschrift “Die Zeit”.Die Vorstellung eines männlich-väterlichen Gottes könnte das Resultat einer von starken “politisch-theologischen Interessen” geprägten “Tendenzliteratur” sein, hieß es weiter. Den Autoren der Bibel hätte damals daran gelegen, das Volk Israel angesichts der Bedrohung durch die umliegenden Großmächte auf einen einzigen starken Gott einzuschwören. (Quelle: epd, 20.03.2008)

Als ich meine Bar-Mizwa feierte, erklärte ich dem Rabbi: “Ich habe die Wahrheit gefunden. Ich glaube nicht an Gott.” Da sah er mich an und erwiderte: “Mein Junge, du glaubst also nicht an Gott. Meinst du, Gott schert sich darum?”

Daniel Bell, US-amerikanischer Soziologe, in der Süddeutschen Zeitung vom 22.03.2008

Anfang der Kommunikation

März 10, 2008 by gaukel

In der Steinzeit jagten Urmenschen Urtiere

und sprachen Urlaute:

BA, KALL, TAL, OS, ACQ, TAG

BA
steht für den Menschen und sein Sozialleben.

KALL
ist der Hohlraum, der Mutterleib, die Sippe, der Clan, das Flußbett, der See, die Niederung.

TAL
ist das Enge, Dünne, Tiefe sowie das Weibliche.

OS
bedeutet Höhleneingang und Körperöffnung.

ACQ
heißt Wasser.

TAG
ist das Aufrechte, die Waffe, das Werkzeug, das männliche Glied und Gott.

Der Anfang der Kommunikation in sechs kurzen Worten, die zu Milliarden von Ausdrucksformen führten.

Quelle: SZ-Magazin, 23.6.1995

Magische Sieben

März 10, 2008 by gaukel

Das Gesetz der magischen Sieben, das der US-Psychologe George Miller schon 1956 postulierte, tritt beim Lesen besonders deutlich zutage: Unbekannte Wörter vermag der Mensch zumeist nur dann auf einen Blick zu erfassen, wenn sie nicht mehr als etwa sieben Buchstaben enthalten. Sind sie länger, so ist er aufs Buchstabieren angewiesen.

Da die meisten Texte jedoch aus bekannten Wörtern bestehen, werden sie als ganze erkannt und im Bewußtsein zu Sätzen oder Satzteilen aus wiederum jeweils maximal sieben Wörtern gebündelt. Das Verstehen jeder Sprache beruht auf dieser Methode des “Chunking” (etwa: “Verklumpen” von Buchstaben zu Wortbildern und Wörtern zu Sinneinheiten).

Repräsentanten von einem Etwas

März 10, 2008 by gaukel

Alles, was für einen wahrnehmenden Menschen Bedeutung annehmen kann, wird ihm damit zum Zeichen dieser Bedeutung. Zeichen wird zum Repräsentanten von einem Etwas, das nicht anwesend ist, aber dessen Bedeutung das Zeichen stellvertretend vermittelt.

Der Begriff des Zeichens setzt sich deshalb aus zwei Komponenten zusammen, dem Signifikanten (der materiellen äußeren Erscheinung) und dem Singifiat (der Bedeutung für den Betrachter und Zuhörer).

Quelle: “Zeitschrift für Semiotik”, Band 6, Heft 3/1984

Sprache als Welt

März 10, 2008 by gaukel

Formale und materielle Redeweise:

Tisch ist ein Ding mit vier Beinen,

“Tisch” ein Wort mit vier Buchstaben. (1)

Das Bild einer Tabakpfeife, so philosophierte der belgische Maler René Magritte, könne natürlich keine Pfeife sein, und das Wort “Pfeife” schon gar keine. (2)

“Rot physikalisch zu definieren, ist relativ einfach. Aber erklären sie mal einem Blinden, wie es ist, Rot zu sehen”, schildert der Bremer Hirnforscher Hans Flohr das Dilemma von scheinbarer Objektivität und subjektiver Wahrnehmung. “Da stößt unsere Intuition sehr rasch an seine Grenzen.” (3)


(1) Quelle: SZ, 18.5.1991
(2) Quelle: Der Spiegel,47/1996
(3) Quelle: Die Zeit, 31.5.1996

Was uns die Zeichen bedeuten

März 9, 2008 by gaukel

³ was uns die zeichen bedeuten ³
³ bedeuten uns was die zeichen ³
³ uns bedeuten die zeichen was ³
³ die zeichen bedeuten uns was ³
³ di ze chen bedeuten uns was ³
³ i ze chen be euten uns was ³
³ i z ch b ut us was ³
³ i z ch b t s was ³
³ i z ch b t s w s ³
³ i c b t s w s ³
³ i b t s w s ³
³ i t s w s ³
³ i s w s ³
³ i s s ³
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³ ³
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À Ù (1)

Ein Zeichen ist erst durch seinen Gebrauch als Laut, als Buchstabe oder als Bild bestimmt. (2)

Bild, Sprache und Schrift im Zeitalter des Internet

:-) :-< :-* :-( WWW.

Die unter den Bedingungen der abendländischen Schriftkultur entstandenen und seither als selbstverständlich geltenden Grenzziehungen zwischen Bild, Sprache und Schrift werden durch die semiotischen Praktiken, die sich im Internet entwickeln, auf tiefgreifende Weise verändert. (3) mehr…


(1) Horst Rudolf Gaukel - Was uns die Zeichen bedeuten, © 1996, aus Der Dokumentar
(2) These des Philosophen Wittgenstein
(3) Mike Sandbothe

Kodierte Botschaften

März 9, 2008 by gaukel

Ihre äußere Gestalt hat die Botschaft seit zehntausend Jahren bewahrt, Zickzacklinien, Striche, tierähnliche und halbmondfürmige Umrisse, eingeritzt in fünf Täfelchen aus Stein. Die Zeichen erinnern an die Symbole, die sich zu Hunderten an den Wänden prähistorischer Höhlen finden und deren Bedeutung bisher niemand versteht. Doch die Anordnung der Kratzer auf den Steinen scheint einer Ordnung zu folgen – und das versetzt ihre Entdecker, ein französisches Archäologenteam unter Leitung von Danielle Stordeur, in Aufregung. Was sie da in Jerf el Ahmar im syrischen Zweistromland ausgegraben haben, so glauben die Froscher, sei ein “uraltes Zeichensystem.” (…)

Die Kratzer und Riefen sind rund zehntausend Jahre alt – damit existieren sie doppelt so lang wie die älteste bisher bekannte Schrift: die ebenfalls im fruchtbaren Mesopotanien entstandene altsumerische Piktographie, die ähnlich wie die ägyptischen Hieroglyphen funktionierte. Mit diesen Schriften wurden in hoch entwickelten, zentral organisierten Zivilisationen Arbeit und Gesellschaft gesteuert. Bisher glaubte man, daß graphische Zeichensysteme vor dieser Zivilisationsstufe nicht aufgetaucht waren.

Zwar handelt es sich bei den Gravuren, wie Danielle Stordeur einräumt “um keine Schrift”, aber doch um ein koheräntes Zeichesystem. Immer wieder tauchen die gleichen Zeichen auf. Ihre Anordnung und Wiederholung dient keinen dekorativen Zwecken, sondern allein der Information. Doch Schlangenlinien, Haken und Kreisbögen bilden keine Sätze: “Eher handelt es sich um eine kurze Zusammenfassung von Hinweisen auf bestimmte Ereignisse oder Zusammenhänge, sozusagen eine symbolische Bildgeschichte, ein Textogramm”, erklärt die Archäologin. (…)

Vieles spricht dafür, daß auch in der einmal rätselhaft-abstrakt, dann wieder hinreißend naturalistisch wirkenden Kunst der Altsteinzeit komplexe Botschaften codiert sind. Sowohl in sparsamen Gravuren auf Steinen und Tierknochen als auch in den leuchtenden Wandgemälden Hunderter von Höhlen wie Lascaux oder Chauvet stecken vermutlich mindestens ebensosehr der Wille zur Information wie der zur Dekoration. Denn auch in den Höhlen sind die Bilder nach einem bestimmten System angeordnet, manche kehren immer wieder , andere sind sehr selten – und trotz großer Realitätsnähe sind alle Tierzeichnungen nach einem bestimmten Muster schematisiert. Ohne eine Schrift zu besitzen, verschlüsselten die Steineitmenschen mythologische, genealogische und soziale Bezüge in komplexen Zeichensystemen. Davon ist jedenfalls Alexander Mrshack, anerikanischer Spezialist für diese Notationen aus allerfrühester Zeit, überzeugt. “Die damaligen Menschen besaßen sehr komplizierte Methoden, Bilder und Symbole zu Botschaften zusammenzustellen.” (1)

Das Fenster lag im Morgenlicht.

Asche in der Tasche.

Es scheuen die Dohlen den Rauch.

Sternenschauer wehen herab. (2)


(1) Quelle: Die Zeit, 24.1.1997
(2) hrg 2008